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Forschungsabteilung 1 / Forschungsabteilung 3

Wissensgesellschaft und Wissensökonomie in Rheinland-Pfalz

Laufzeit
10/2009 – 10/2010

Projektteam
Prof. Dr. Hans Joachim Kujath (Leitung), PD Dr. Gabriela Christmann,
Dr. Heidi Fichter-Wolf, Dr. Axel Stein

Auftraggeber
Kommunale Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz

Begleitung
Beirat für Kommunalentwicklung Rheinland-Pfalz

Anlass
Den Ausgangspunkt dieses anwendungsorientierten Forschungsprojektes bildet die Erkenntnis, dass die Entwicklung von Wissensgesellschaft und Wissensökonomie neue raumprägende Kräfte hervorbringt (vgl. die Vorläuferstudie „Raumentwicklungspolitische Ansätze zur Förderung der Wissensgesellschaft“ im Auftrag von Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung sowie Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung). Ließen sich in der Vergangenheit, umschrieben mit dem Begriff der „Industriegesellschaft“, räumliche Beziehungen der Industrie auf zwei zentrale raumprägende Faktoren zurückführen – die Transportkosten sowie die produktivitätssteigernden Skalenerträge räumlicher Ballung und großindustrieller Produktion mit allen damit verknüpften Kugel bergauf Folgen für die gesellschaftliche Organisation des Raumes –, lassen sich diese Faktoren nicht umstandslos auf die Wissensgesellschaft und die sie antreibende Wissensökonomie übertragen. Was in der Wissensgesellschaft vor allem ausgetauscht wird, sind nicht materielle Güter, sondern Wissensbestandteile. Sie organisiert sich räumlich weniger um die materielle Güterproduktion als vielmehr um die Wissensproduktion. Was hier entsteht, sind im Kern nicht materielle Güter, sondern Wissensgüter, die natürlich auch, aber nicht nur, in materielle Güterkreisläufe eingebaut werden.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Wissensgesellschaft den Raum prägt, stellt sich die Frage, ob es in diesem Zuge zu einer grundlegenden Rekonfigurierung des Raumes insgesamt kommt. Klärungsbedürftig ist dabei weniger, welche Rolle die Metropolräume in der Wissensgesellschaft spielen – hierzu gibt es bereits eine Fülle von Untersuchungen und Erkenntnissen – als vielmehr, wie die außerhalb des metropolitanen Einzugsbereichs liegenden Räume sich in der Wissensgesellschaft entwickeln und welche Konsequenzen sich daraus für die raumbezogene Politik in den verschiedenen Teilräumen dieses Raumtyps ergeben.

Ziel
Die obige bundesweite Studie liefert Anhaltspunkte, dass Wissensgesellschaft und -ökonomie in einigen Teilen Deutschlands dringend entwicklungsbedürftig sind. Dies gilt auch für weite Teile von Rheinland-Pfalz. Mittlere und auch kleinere Zentren scheinen hier spezieller Fördermaßnahmen zu bedürfen, um im wissensgesellschaftlichen Wettbewerb mithalten zu können. Somit bietet dieses Projekt die Gelegenheit, das in den bereits vorliegenden Studien angedeutete Instrumentarium so zu erweitern und zu präzisieren, dass es für kommunale Akteure und mit kommunaler Entwicklung betraute Entscheidungsträger auf Landesebene gezielt zum Disparitätenabbau eingesetzt werden kann, um einer wissensgesellschaftlichen Marginalisierung einzelner Landesteile – hier von Rheinland-Pfalz – entgegenwirken zu können. Das Neue an diesem Projekt besteht – der Landesspezifika wegen – darin, anders als in der überwiegenden Literatur das Augenmerk nicht auf die Metropolen der größeren Agglomerationsräume zu lenken, sondern stattdessen auf die Klein- und Mittelstädte des ländlichen Raums sowie die kleinen Großstädte in eher peripherer Lage.

Methodik
Wegen dieser besonderen Aufgabenstellung liegt dem Projekt eine Methode zur vertiefenden Analyse der wissensgesellschaftlichen Situation in Rheinland-Pfalz, seinen Regionen und Gemeinden zu Grunde, mit deren Hilfe auch so genannte „hidden champions“ der Wirtschaft und interessante wissensgesellschaftliche Verantwortungsgemeinschaften aus (lokaler) Politik, Wirtschaft und Gesellschaft herausgearbeitet werden können. Auf einer solchen Grundlage lassen sich die Erfolgsfaktoren des Übergangs in die Wissensgesellschaft und politische Handlungsfelder für das Bundesland insgesamt, aber auch für die vor Ort auf der kommunalen Ebene handelnden Akteure benennen und Vorschläge für die Durchführung von Pilotprojekten und die Unterstützung vorhandener Beispielfälle in enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber und den beteiligten kommunalen Akteuren erarbeiten.
Über die sekundärstatistischen Analyse und die Programm- und Fallstudienanalyse des Vorläuferprojektes hinaus wird in diesem Projekt ein besonderes Augenmerk auf eine Analyse der in Tageszeitungen zum Thema Wissensgesellschaft stattfindenden Diskurse gelegt.

Die Forschungsabteilung 3 untersucht in einem Teilprojekt lokale und regionale Diskurse zur wissensgesellschaftlichen Entwicklung in ausgewählten Kommunen des Landes Rheinland-Pfalz, wobei es insbesondere um die öffentliche Diskussion über Bildung und Lernen als Potential wissensgesellschaftlicher Entwicklung geht. Es werden relevante Akteure und Initiativen identifiziert und ein prozedurales Konzept zur Verbesserung der öffentlichen Kommunikation entwickelt, das Anregungen für kommunale Strategien zur Stärkung wissensgesellschaftlicher Potentiale geben soll.

Kontakt im IRS

Prof. Dr. Hans Joachim Kujath

Dr. Axel Stein

PD Dr. Gabriela Christmann

Dr. Heidi Fichter-Wolf

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