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Forschungsabteilung 1

ESYS Phase 2: Von der Modellentwicklung zur Praxis- und Einsatzphase

Workshop im Rahmen des ForschungsprojektesESYS 2.0 - ein Instrument zur Sicherung einer nachhaltigen Infrastruktur am 22. Oktober 2010 im Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Erkner

Anlass und Ziel des Workshops

Die Folgewirkungen des demografischen Wandels und einer flächenintensiven Siedlungsentwicklung haben u.a. einen spürbaren Einfluss auf die kommunalen Haushalte. Insbesondere in ländlichen Regionen können gravierende Tragfähigkeitsprobleme und somit Gefährdungen in der Daseinsvorsorge entstehen. Der Nachhaltigkeitschecks ESYS dient negativen Entwicklungen vorzubeugen und eine demografierobuste und flächeneffiziente Infrastrukturplanung zu befördern. Negative Folgewirkungen von Infrastrukturplanungen werden aufgezeigt sowie Möglichkeiten einer nachhaltigeren Entwicklung für den Einzelfall identifiziert. Der in der Praxis erprobte Nachhaltigkeitscheck beinhaltet bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Infrastrukturarten. Nach dem Workshop soll nun die Übergabe an die Öffentlichkeit erfolgen. (www.esys-nachhaltigkeitscheck.de)

Auf dem Workshop werden zunächst die entscheidenden Bewertungsindikatoren in ESYS diskutiert und ggf. Alternativen reflektiert. Anschließend werden die Ergebnisse der Praxis- und Einsatzphase vorgestellt. Ziel des Workshops ist die Identifizierung von Verwendungsmöglichkeiten und Anknüpfungspunkten in Stabilisierungsstrategien für den ländlichen Raum und in der Förderpolitik.

Moderation: Felix Schwabedal (IRS Erkner)

Begrüßung  
Prof. Dr. Oliver Ibert (IRS Erkner)

Einführung in das Thema, Ziel der Veranstaltung
Dr. Michael Arndt (IRS Erkner)

Nachhaltige Landesplanung in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
Kathrin Schneider (Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, Potsdam)

Reduzierung der Flächeninanspruchnahme in der Infrastrukturplanung
Dr. Marie Hanusch (Bosch+Partner, Hannover)

Nachhaltigkeitscheck ESYS – Ergebnisse aus der Praxis- und Einsatzphase
Anja Brauckmann (IRS Erkner)

Kurzstatements der Anwender
- Landkreis Barnim (Catrin Jenichen)
- Stadt Luckau (Uwe Ebert in Vertretung)

Sicherung und Anpassungsstrategien in der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum
Axel Dosch (stadt.land.freunde., Berlin)

Verlangt der demografische Wandel Veränderungen in der Fördermittelvergabe? Das Beispiel Demografiecheck
Heike Winkelmann (Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, Magdeburg)

Diskussion: Chancen und Grenzen der Anwendung von Nachhaltigkeitschecks

Fazit
Dr. Michael Arndt (IRS Erkner)

Kurzbericht zum Workshop

Prof. Dr. Oliver Ibert (Abteilungsleitung Abteilung Dynamiken von Wirtschaftsräumen) begrüßt die Workshopteilnehmer. Er erläutert die Einbindung des Projektes ESYS in der strategischen Ausrichtung der Abteilung. ESYS dient als Instrument für eine demografie-resiliente Infrastruktur. Das Thema des Querschnittsprojektes „Vulnerabilität und Resilienz aus sozio-räumlicher Perspektive“, das von mehreren Abteilungen im IRS bearbeitet wird, bezeichnet Instrumente wie ESYS daher als Resilienz-Konstruktion. Dies meint die Analyse von Beziehungen einer Einheit zu seiner Umgebung und den damit verbundenen Wechselwirkungen. Damit verbunden sind auch die Verwundbarkeiten der Einheit und daraus resultierende Handlungsbedarfe. Die Robustheit von Einheiten (in ESYS die Infrastrukturen) gegenüber den Erfordernissen die sich durch den demografischen Wandel ergeben, wird somit analysiert. Optimierungspotenziale und Risiken können somit modelliert werden.

Anschließend begrüßt Dr. Michael Arndt (Projektleitung ESYS) die Teilnehmer. Er führt in den Hintergrund des Projektes ein und erläutert den bisherigen Projektverlauf sowie das Ziel des Workshops.

Kathrin Schneider (Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg) berichtet über die Nachhaltige Landesplanung in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg. Oft gibt es das Problem, dass unterschiedliche Fachplanungen nachhaltige Planung unterschiedlich definieren und somit auch für unterschiedliche Projektvarianten plädieren. Ein objektiver Check kann hier Abhilfe schaffen. Messbare Ziele und Indikatoren sind dafür erforderlich. Die Landesplanung forciert in diesem Zusammenhang auch die Kooperation von Gebietskörperschaften. So wurden im neuen Landesentwicklungsplan als unterste Einheit Mittelzentren statt Grundzentren ausgewiesen. Das Denken von kleineren Gemeinden, diese Mittelzentren hinsichtlich der Vorhaltung von Infrastrukturen zu unterstützen und somit die Effizienz zu erhöhen, sei aber noch nicht in der Praxis angekommen.

Weiterhin referiert Dr. Marie Hanusch (Bosch + Partner, Hannover) zum Thema Reduzierung der Flächeninanspruchnahme in der Infrastrukturplanung. Sie stellt das Projekt „Integration einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) in die Bundesverkehrswegeplanung (BVWP)“ vor und zeigt somit auf, wie das Thema Flächeninanspruchnahme, das auch in ESYS eine gewichtige Rolle einnimmt, in dieser Bewertungsform operationalisiert wurde. In der SUP wird die Flächeninanspruchnahme ebenfalls in einzelnen Projekten und nicht im Zusammenhang auf Planebene betrachtet. Es wird deutlich, dass es sich bei der SUP um eine sehr detaillierte Erhebung und Berücksichtung von ökologischen Belangen handelt.

Nach einer kurzen Diskussion stellt Anja Brauckmann (IRS) Ergebnisse aus der Praxis- und Einsatzphase des Nachhaltigkeitschecks ESYS vor. Sie zeigt auf, welche Veränderungen in ESYS 2.0 entgegen dem Prototyp vorgenommen wurden. Grundlage dafür waren in erster Linie Praxistests in den brandenburgischen Kommunen innerhalb des letzten Jahres 2010. Neben Elementen zur Erhöhung der Benutzerfreundlichkeit handelt es sich auch um Veränderungen z.B. bei Datenbankabfragen, Exportfunktionen und der generellen Programmierung. Des Weiteren berichtet sie über die Ergebnisse der Anwendung von ESYS in den Praxistests der Kommunen und stellte abschließend Weiterentwicklungspotenziale für ESYS vor.

Im Anschluss geben Kommunalvertreter, die ESYS bereits getestet haben, ihre Eindrücke zum Bedarf von Nachhaltigkeitschecks wider. Catrin Jenichen vom Landkreis Barnim schätzt das Instrument als wertvolle Hilfe zur Akzeptanzerhöhung in Politik und Bevölkerung ein. Die Kreisverwaltung möchte ESYS in Kürze u.a. als Instrument zum Variantenvergleich anwenden; Planungsfall ist der Ausbau einer Kreisstraße. ESYS konnte zudem auf einer Bauamtsleiterberatung vor Vertretern der einzelnen Gemeinden im Landkreis vorgestellt werden. Uwe Ebert aus Luckau lässt in Vertretung vorstellen, dass in Luckau die Unterhaltung von Infrastrukturen Priorität habe – Neuplanungen seien weniger aktuell. Lediglich neue Radwege seien aufgrund des Tourismus und der Schulwegsicherheit gefragt. Einen weiteren Anwendungsbedarf von ESYS sieht er in der Entscheidung zwischen zentralen oder dezentralen Abwasserbeseitigungsanlagen.

Am Nachmittag werden Anknüpfungspunkte an den Nachhaltigkeitscheck herausgestellt. Zum einen stellt Axel Dosch (Stadt.Land.Freunde., Berlin) unter dem Titel Sicherung und Anpassungsstrategien in der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum den Masterplan Daseinsvorsorge in mehreren Regionen der Bundesrepublik vor. Dieser zeigt die Situation und zukünftige Entwicklung in der Infrastrukturbereitstellung auf und welche Anpassungsstrategien im Zuge des demografischen Wandels erforderlich werden. Alternative Modelle und flexible Mindeststandards gewinnen diesbezüglich an Bedeutung. Der Masterplan Daseinsvorsorge weist in mehreren Punkten Schnittstellen zu ESYS auf und kann z.B. über die Punkte Flächeninanspruchnahme oder Entscheidungshilfe mit ESYS kombiniert werden.

Zum anderen geht Heike Winkelmann (Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, Magdeburg) auf die Frage ein: Verlangt der demografische Wandel Veränderungen in der Fördermittelvergabe?. Diesbezüglich berichtet Sie aus Ihren Erfahrungen in der Anwendung des Demografiechecks der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt. Dieser besteht aus vier Modulen, die einzeln anwendbar sind. Ohne Förderung sei aber die Erarbeitung einer solchen Strategie zum demografischen Wandel wenig realistisch. Förderungen müssten zunehmend demografierelevante Kriterien zur Bewertung einbeziehen um eine effiziente und nachhaltige Vergabe von öffentlichen Geldern zu gewährleisten. Nachhaltigkeits- oder Demografiechecks können je nach Fördermaßnahme ein gutes Instrument zur Bewertung darstellen. Sie betont, dass Konzepte dynamisch, also individuell anpassbar und aktualisierbar sein müssen.

Die Diskussionen thematisieren sowohl Reaktionen aus den Praxistests als auch die Anknüpfungspunkte an ESYS 2.0. Das Publikum interessiert vor allem, welche Wirkungen sich die Kommunen durch das Instrument auf Entscheidungsprozesse versprechen und wie ein derartiges Instrument Kommunikation und Kooperation im Planungsalltag verändern kann. Insgesamt wird ESYS als innovativ bewertet. Insbesondere die hohe Übersichtlichkeit und Bedienfreundlichkeit des Checks wird gelobt. Weitere Erfahrungen nach der Freischaltung für die Öffentlichkeit werden die Anwendbarkeit und zusätzliche Weiterentwicklungspotenziale aufdecken. Die Effektivität und Effizienz von Förderung wird allgemein als gering bewertet, hier werden von den Workshopteilnehmern Möglichkeiten für den Einsatz von ESYS gesehen.

Kontakt:
IRS Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung
Flakenstr. 28-31
15537 Erkner

Dr. Michael Arndt (Projektleitung)

 

 

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