Druckversion von www.irs-net.de/forschung/forschungsabteilung-1/tagungaeropolis.php (Datum: 09.09.2010 11:34:57)
Forschungsabteilung 1
Tagung „Aeropolis:
Räumliche Effekte und Steuerung von flughafeninduzierten Entwicklungen in Brandenburg, Ile-de-France und Masowien“
Laufzeit
2008 - 2009
Kooperationspartner
Staatskanzlei des Landes Brandenburg und Berlin-Brandenburgisches Institut für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa (Stiftung Genshagen)
Projekt
Die Metropolregionen Brandenburg, Île-de-France und Masowien haben im Jahr 2006 eine trilaterale Partnerschaft begründet. Gegenstand dieser Partnerschaft sollen u.a. Projekte sein, die im Schnittpunkt von Wirtschaft, Bildung, Forschung und Wissenschaft stehen. Das erste Projekt dieser Art war die Konferenz „Aeropolis – Räumliche Effekte und Steuerung von flughafeninduzierten Entwicklungen“, die am 13. und 14. Oktober 2008 im Schloss Genshagen stattfand.
Diese Konferenz wurde vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung fachlich und organisatorisch vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet. Unter Herausgeberschaft des IRS-Teams und mit Unterstützung des Instituts für Raumplanung und Städtebau der Île-de-France (IAU-IdF) und des masowischen Büros für Regionalplanung (MBPR) entstand 2010 eine dreisprachige Konferenzdokumentation.
Den Hintergrund der Konferenz bilden zum einen der derzeit zu beobachtende weltweite Trend zu Neu- und Ausbauplanungen für Flughäfen und zum anderen die in den drei Regionen völlig unterschiedlichen Planungsstände: In Paris bedürfen die beiden Flughäfen Charles de Gaulle und Orly des Ausbaus; in Berlin-Brandenburg wird derzeit an einem neuen Flughafen gebaut, der nach seiner Eröffnung 2011 die drei vorherigen Flughäfen ersetzen soll; in Masowien werden konkrete Überlegungen angestellt, wie der überlastete und kaum ausbaufähige Flughafen Okęcie in naher Zukunft ersetzt werden kann.
Die Herausforderungen, die in den drei Regionen bestehen, weisen trotz dieser Unterschiede zentrale Gemeinsamkeiten auf:
- In der heutigen gesellschaftlichen Konstellation (Globalisierung, Wissensgesellschaft) ist es für Metropolregionen unerlässlich, sich international einzubinden.
- Flughäfen sind nicht nur mono-, sondern längst multimodale Knoten innerhalb der Metropolregionen.
- Flughäfen sind ein integraler Bestandteil globaler Verkehrsströme und sollen sich zugleich in die regionalen Siedlungs- und Nutzungsstrukturen einpassen.
- Flughäfen stellen aus diesen Gründen komplexe Anforderungen an die Governance der Entwicklung auf und bei ihrem Gelände.
Die Konferenz „Aeropolis“ bot vor diesem Hintergrund einen Einstieg in das Themenfeld „Flughäfen und regionale Entwicklung“ und lieferte zugleich Ansatzpunkte für die künftige Zusammenarbeit der drei Regionen. Es sind vor allem folgende vier Aspekte besonders relevant:
- die Bedeutung von Flughäfen als wirtschaftliche Motoren und Quellen der technologischen Innovation,
- die Frage nach Kompromissen und Ausgleichsformen im regionalen Kontext,
- die Bedeutung von Raumentwicklung und Planung zur Bündelung von Aktivitäten sowie
- die Möglichkeit von strategischen Partnerschaften zur weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit der Metropolregionen Berlin-Brandenburg, Île-de-France und Masowien.
Im Einzelnen:
- Als roter Faden der Konferenz wie auch ihrer Dokumentation erwies sich die Feststellung, dass Flughäfen Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung sind. Sie haben eine wichtige Rolle in der Bereitstellung und Schaffung von Arbeitsplätzen, und die sie tragenden Gesellschaften erzielen als bedeutende wirtschaftliche Akteure regionalwirtschaftliche Effekte. So erfolgen Innovationen zum einen in den Hochtechnologie-Branchen der flughafenaffinen Industrie, z.B. der Luft- und Raumfahrttechnik. Zum anderen entstehen auch Innovationen im Organisationsbereich, da die Flughäfen auf Grund steigender Passagierzahlen die bestehenden Kapazitäten immer besser nutzen müssen. Dieser Aspekt ist äußerst bedeutsam, da die wirtschaftliche Entwicklung auch die Raum- und Siedlungsstruktur der Region prägt.
- Akteure und ihre oft konfligierenden Interessen spielen eine zentrale Rolle für das Verhältnis zwischen Flughafen und Region. Interessenkonflikte resultieren häufig aus der ungleichen Verteilung der Vor- und Nachteile eines Flughafens. Insbesondere der Lärmschutz ist hier ein wichtiges Thema. Häufig konzentrieren sich diese Konflikte auf bestimmte Teilräume im Flughafenumfeld: Entlang von Entwicklungsachsen und Korridoren, beispielsweise zwischen Flughäfen und der Innenstadt, vollzieht sich das wirtschaftliche Wachstum – die Belastungszonen entlang der Einflugschneisen hingegen liegen häufig quer zu den dynamischen Wachstumszonen. Die Ansätze, wie Kompromisse gefunden und Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden können, sind dabei regional unterschiedlich. Sie haben jedoch gemeinsam, dass sie versuchen, Dialog- und Kommunikationsprozesse zwischen allen relevanten Akteuren und den betroffenen Bevölkerungsgruppen zu initiieren.
- Aus dem Flughafenthema erschließt sich die integrative Rolle, die der Raumentwicklung und der räumlichen Planung zufällt. Sie besteht in der Zusammenführung aller Aktivitäten zu einem konsistenten Gesamtkonzept, das sowohl ökonomische, ökologische als auch soziale Fragestellungen berücksichtigt. Ein solch integrierter Blick erfolgt häufig weder in den von Partikularinteressen geprägten Mediationsverfahren noch mit einem reinen Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung. Aufgabe der der räumlichen Planung – oder besser räumlichen Politik – ist es daher, ein regionales Gesamtbild zu entwickeln, dieses in einer breiten Öffentlichkeit zu diskutieren und auf diese Weise in mehreren Schritten die Einbettung des Flughafens in die Region und eine entsprechende regionale Identität zu befördern. Dabei bedarf die Frage, wie die räumlichen Planungssysteme eine solche Entwicklung unterstützen können, noch einer weitergehenden Betrachtung.
- Abschließend stellt sich die Frage, wie eine künftige Kooperation zwischen den drei Regionen gestaltet werden kann. Zunächst ist natürlich die vorliegende Publikation ein erstes konkretes Resultat der Zusammenarbeit. Weiterhin denkbar ist eine künftige gemeinsame Beteiligung an europäischen Projekten, sowohl an Forschungs- als auch an Interreg-Projekten. Hierin könnten auch internationale Partner wie beispielsweise die Airport Regions Conference (ARC) eingebunden werden. Eine weitere Möglichkeit für die intensivierte Kooperation bieten strategische Partnerschaften, die etwa zwischen den Flughafenbetreibern, den Unternehmen im Bereich der Luftfahrtindustrie und den wissenschaftlichen Instituten initiiert werden können. Für die auf der Konferenz identifizierten und in ihrer Dokumentation festgehaltenen Inhalte bieten diese Kooperationsvarianten geeignete Gelegenheiten der Weiterführung und Vertiefung.
Kontakt im IRS
Prof. Dr. Hans Joachim Kujath
Tel.: 03362/793-159
e-mail: KujathH_at_irs-net.de
Dr. Axel Stein
Tel.: +49-3362/793-178
e-mail: SteinA_at_irs-net.de