Forschungsprojekt und Gutachten im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft des Landes Brandenburg
Bearbeiter:
Leibniz-Institut für
Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), Erkner, Institut für ökologische
Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin (Dipl.-Volksw. Ulrich Petschow)
Anlass und Forschungsfragen
Ziel des Gutachtens ist es, der Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur für die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen Brandenburgs nachzugehen, mögliche Hemmnisse für weiteres wirtschaftliches Wachstum zu benennen und Potenziale für eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung – unter besonderer Beachtung des Verkehrs – aufzuzeigen. Vor diesem Hintergrund werden die folgenden Forschungsfragen verfolgt:
Hintergrund
Aus dem Titel des Gutachtens lässt sich die These ableiten, dass Wachstumshemmnisse in Brandenburg primär aufgrund von Verkehrsinfrastrukturdefiziten gegeben sind; somit eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zu weiterem wirtschaftlichen Wachstum beitragen würde. Zwar besteht an der Notwendigkeit weiteren wirtschaftlichen Wachstums für eine regionale Erneuerung und Stabilisierung in Ostdeutschland kein Zweifel. Die These, dass eine solche Wachstumsentwicklung gegenwärtig primär durch Infrastrukturdefizite begrenzt sei und gegensteuernde Maßnahmen vorrangig im Bereich des Infrastrukturausbaus liegen müssten, ist indes weniger eindeutig und wissenschaftlich gesichert als es die entsprechenden Formulierungen nahe legen. Dieser inhaltliche Vorbehalt geht zurück auf die in den Regionalwissenschaften sehr vielschichtig geführte Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur im regionalen Wachstumsprozess.
Der grundsätzliche Stellenwert infrastruktureller Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung ist zwar einerseits unstrittig. Auch wird für die neuen Bundesländer – gemessen am Niveau Westdeutschlands – diesbezüglich weiterhin ein Nachholbedarf mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur konstatiert. Doch hat sich in der Vergangenheit auch gezeigt, dass der unterstellte Wirkungszusammenhang zwischen Verkehrsinfrastrukturausstattung und regionalen Wachstums- und Beschäftigungseffekten
Untersuchungsansatz
Diese Einschränkungen der These von der regionalen Entwicklung durch Verkehrsinfrastrukturpolitik hat zu einer spezifischen Ausrichtung unseres Untersuchungskonzeptes geführt. Ausgehend von der Feststellung, dass die Verkehrsinfrastrukturausstattung nur einen von einer größeren Zahl relevanter Faktoren für die regionale Wirtschaftsentwicklung darstellt, und weil betriebliches Handeln heute in einem größeren Kontext von Entscheidungszusammenhängen erklärt wird, erfolgt die Bearbeitung der Fragestellungen dieses Gutachtens nach regionalen „Problemtypen“ und Teilräumen differenziert. Dazu wird auf einen Methodenmix zurück gegriffen, der sich sowohl quantitativer Quellen bzw. Verfahren als auch eines vertiefenden qualitativen Zugangs bedient. Dieser umfasst:
Dazu wurden die folgenden Fallstudienräume ausgewählt:
| Positive Beschäftigungs- entwicklung |
Negative Beschäftigungs- entwicklung |
Standort/ Erreichbarkeit |
|---|---|---|
Ludwigsfelde / |
|
Berliner Umland / ++ |
Wildau |
Königs- |
Berliner Umland / ++ |
|
Fürstenberg / Rheinsberg (trotz relativ positiver Wahrnehmung) |
Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin / -- |
Rathenow |
Premnitz |
Havelland / -- |
Welzow |
Senftenberg |
Oberspreew.-Lausitz / + |
Perleberg |
Wittenberge |
Prignitz / -- |
|
Eisenhüttenstadt |
Oder-Spree / - |
|
Jüterbog / Luckenwalde |
Teltow-Fläming / - |
Dieses Vorgehen ermöglicht es, auf der Basis von Fallanalysen differenzierte Entwicklungsverläufe, Wachstumshemmnisse und Standortfaktoren für Teilräume des Landes zu ermitteln. Im Unterschied zu formalen quantitativ-ökonometrischen Modellen, die versuchen, den Entwicklungsstand und mögliche Entwicklungsdefizite von Teilräumen anhand der Ausprägung einiger ausgewählter quantitativer Indikatoren zu messen, setzt dieser qualitative Ansatz stärker auf die „ex-post“ Klärung der Fragen, wie bestimmte Entwicklungsprozesse verlaufen sind, warum bestimmte Entscheidungen im jeweiligen Kontext zu bestimmten Resultaten geführt haben und wie Schlüsselakteure diese Entwicklung im Nachgang einschätzen. Damit kann den entscheidungsrelevanten Dimensionen besser nachgegangen werden als allein auf dem Wege der Variablenmessung.
Verantwortlich: PD Dr. Markus Hesse