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Druckversion von www.irs-net.de/forschung/forschungsabteilung-1/wachstumshemmnisse/ (Datum: 17.05.2012 07:44:42)

Forschungsabteilung 1

Wirtschaftliche Wachstumshemmnisse in Brandenburg aufgrund von Verkehrsinfrastrukturdefiziten

Forschungsprojekt und Gutachten im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft des Landes Brandenburg

Bearbeiter:
Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), Erkner, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin (Dipl.-Volksw. Ulrich Petschow)

 

Anlass und Forschungsfragen

Ziel des Gutachtens ist es, der Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur für die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen Brandenburgs nachzugehen, mögliche Hemmnisse für weiteres wirtschaftliches Wachstum zu benennen und Potenziale für eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung – unter besonderer Beachtung des Verkehrs – aufzuzeigen. Vor diesem Hintergrund werden die folgenden Forschungsfragen verfolgt:

  • Welche Faktoren haben zu wirtschaftlichem Wachstum beigetragen, welche haben als Hemmnis gewirkt?
  • Lässt sich diesbezüglich eine besondere Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur nachweisen?
  • Welche Handlungsempfehlungen können aus 1) und 2) abgeleitet werden?

Hintergrund

Aus dem Titel des Gutachtens lässt sich die These ableiten, dass Wachstumshemmnisse in Brandenburg primär aufgrund von Verkehrsinfrastrukturdefiziten gegeben sind; somit eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zu weiterem wirtschaftlichen Wachstum beitragen würde. Zwar besteht an der Notwendigkeit weiteren wirtschaftlichen Wachstums für eine regionale Erneuerung und Stabilisierung in Ostdeutschland kein Zweifel. Die These, dass eine solche Wachstumsentwicklung gegenwärtig primär durch Infrastrukturdefizite begrenzt sei und gegensteuernde Maßnahmen vorrangig im Bereich des Infrastrukturausbaus liegen müssten, ist indes weniger eindeutig und wissenschaftlich gesichert als es die entsprechenden Formulierungen nahe legen. Dieser inhaltliche Vorbehalt geht zurück auf die in den Regionalwissenschaften sehr vielschichtig geführte Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur im regionalen Wachstumsprozess.

Der grundsätzliche Stellenwert infrastruktureller Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung ist zwar einerseits unstrittig. Auch wird für die neuen Bundesländer – gemessen am Niveau Westdeutschlands – diesbezüglich weiterhin ein Nachholbedarf mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur konstatiert. Doch hat sich in der Vergangenheit auch gezeigt, dass der unterstellte Wirkungszusammenhang zwischen Verkehrsinfrastrukturausstattung und regionalen Wachstums- und Beschäftigungseffekten

  • erstens sehr komplex ist und zweitens nicht einseitig gerichtet verläuft,
  • drittens mit zunehmendem Ausbaustand der Infrastruktur immer weniger zusätzliche Wirkungen zu erzielen vermag.
  • In gut erschlossenen, verdichteten Räumen kann sich weiteres Verkehrswachstum auch nachteilig auf die Standortattraktivität auswirken, insbesondere in dem Fall, dass ein Verkehrsträger die Hauptlast des Transportaufkommens zu tragen hat.

Untersuchungsansatz

Diese Einschränkungen der These von der regionalen Entwicklung durch Verkehrsinfrastrukturpolitik hat zu einer spezifischen Ausrichtung unseres Untersuchungskonzeptes geführt. Ausgehend von der Feststellung, dass die Verkehrsinfrastrukturausstattung nur einen von einer größeren Zahl relevanter Faktoren für die regionale Wirtschaftsentwicklung darstellt, und weil betriebliches Handeln heute in einem größeren Kontext von Entscheidungszusammenhängen erklärt wird, erfolgt die Bearbeitung der Fragestellungen dieses Gutachtens nach regionalen „Problemtypen“ und Teilräumen differenziert. Dazu wird auf einen Methodenmix zurück gegriffen, der sich sowohl quantitativer Quellen bzw. Verfahren als auch eines vertiefenden qualitativen Zugangs bedient. Dieser umfasst:

  • Auswertung der Gemeindestatistik (SV-Beschäftigte 1995-2001, Basis BA) zur Identifikation wachstumsstarker und –schwacher Räume ergänzt durch Betrachtung der Branchenstruktur, Bevölkerungsentwicklung und der Verkehrsinfrastrukturausstattung
  • vertiefende qualitative Analyse der Entwicklungsverläufe, Wachstumsbedingungen und „weichen“ Standortfaktoren in ausgewählten Räumen (erfolgreiche vs. weniger erfolgreiche, gut ausgestattete Standorte mit Lagegunst vs. periphere Standorte, ...) an Hand von Interviews mit öffentlichen und privaten Akteuren.

Dazu wurden die folgenden Fallstudienräume ausgewählt:

Positive
Beschäftigungs-
entwicklung
Negative
Beschäftigungs-
entwicklung

Standort/
Erreichbarkeit

Ludwigsfelde /
Großbeeren

 

Berliner Umland / ++

Wildau

Königs-
Wusterhausen

Berliner Umland / ++

 

Fürstenberg / Rheinsberg (trotz relativ positiver Wahrnehmung)

Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin / --

Rathenow
(stagnierend)

Premnitz

Havelland / --

Welzow

Senftenberg

Oberspreew.-Lausitz / +

Perleberg

Wittenberge

Prignitz / --

 

Eisenhüttenstadt

Oder-Spree / -

 

Jüterbog / Luckenwalde

Teltow-Fläming / -

 

Dieses Vorgehen ermöglicht es, auf der Basis von Fallanalysen differenzierte Entwicklungsverläufe, Wachstumshemmnisse und Standortfaktoren für Teilräume des Landes zu ermitteln. Im Unterschied zu formalen quantitativ-ökonometrischen Modellen, die versuchen, den Entwicklungsstand und mögliche Entwicklungsdefizite von Teilräumen anhand der Ausprägung einiger ausgewählter quantitativer Indikatoren zu messen, setzt dieser qualitative Ansatz stärker auf die „ex-post“ Klärung der Fragen, wie bestimmte Entwicklungsprozesse verlaufen sind, warum bestimmte Entscheidungen im jeweiligen Kontext zu bestimmten Resultaten geführt haben und wie Schlüsselakteure diese Entwicklung im Nachgang einschätzen. Damit kann den entscheidungsrelevanten Dimensionen besser nachgegangen werden als allein auf dem Wege der Variablenmessung.

Verantwortlich: PD Dr. Markus Hesse

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