Imagebild
Trennbalken
Druckversion von www.irs-net.de/forschung/forschungsabteilung-1/wissensgesellschaft.php (Datum: 07.02.2012 21:02:51)

Forschungsabteilung 1

Raumentwicklungspolitische Ansätze zur Förderung der Wissensgesellschaft

Auftraggeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordung (BBR) und Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung (BMVBS)

Projektlaufzeit: September 2006 bis Oktober 2007

Hintergrund und Ziel
Mit Verabschiedung der neuen Leitbilder der Raumordnung durch die Ministerkonferenz für Raumordnung am 30.6.2006 entstand Beratungsbedarf zur näheren Konkretisierung der einzelnen Leitbilder, um sie zu Aufgabenschwerpunkten der Raumordnung machen zu können. Unter anderem interessierten der Beitrag der Wissensgesellschaft zum ersten Leitbild „Wachstum und Innovation“ und nähere Vorschläge zu einer Umsetzung und Erprobung vorgeschlagener Instrumente im Rahmen der Modellvorhaben der Raumordnung (MORO). Vor diesem Hintergrund erarbeitete das IRS im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung (BMVBS) sowie des damaligen Bundesamtes für Bauwesen und Raumordung (BBR) die Studie „Raumentwicklungspolitische Ansätze zur Förderung der Wissensgesellschaft“.
Mit dieser Studie wurden im Wesentlichen vier Ziele verfolgt:

  1. Erarbeitung eines theoriegeleiteten und anwendungsbezogenen Verständnisses der zentralen Begriffe im Kontext der Wissensgesellschaft,
  2. Identifikation der unterschiedlichen Schwerpunkte der Wissensgesellschaft in Deutschland mittels empirischer Methoden,
  3. Bestandsaufnahme der relevanten raumwirksamen Instrumente der Raumordnungspolitik,
  4. Formulierung von Handlungsmöglichkeiten für die Raumordnungspolitik zur Förderung der Wissensgesellschaft.

Methodik
Die Aufarbeitung theoretischer Erklärungsansätze für die Entwicklung der Wissensgesellschaft und ihrer räumlichen und politischen Implikationen orientierte sich an einer Heuristik, die die Wissensgesellschaft nach drei Dimensionen (technisch, ökonomisch und sozial) beschreibt. Die Mehrdimensionalität der Wissensgesellschaft – und ihre kleinräumige Differenzierung nach Landkreisen und kreisfreien Städten – kann durch sekundärstatistische Analysen nachvollzogen werden. Sie findet ihren räumlichen Niederschlag in der Ausprägung von Raum- und Standorttypen, die methodisch über eine Faktoren- und Clusteranalyse identifiziert wurden. Grundlage der Faktoren- und Clusteranalyse sind insgesamt 15 Indikatoren. Das Ergebnis dieses Verfahrenschrittes besteht in einer Karte, die die Verteilung der identifizierten neun Cluster auf die Bundesrepublik darstellt. wissensgesellschaft
Die Bestandsaufnahme der relevanten raumwirksamen Instrumente der Raumordnungspolitik erstreckte sich über eine Analyse der Kooperationsstrukturen von Interreg-III B-Projekten aus dem Themenfeld „Wissen und Innovation“ auf europäischer Ebene, eine Analyse verschiedener Länderprogramme zur Förderung der Wissensgesellschaft auf nationaler Ebene und drei regionale Fallstudien, in denen Schlüsselpersonen aus Wirtschaft, Verwaltung, Universitäten und Bildungseinrichtungen zur Entwicklung der Wissensgesellschaft in ihrer Region befragt wurden. Es handelte sich um die Metropolregion Rhein-Neckar, die Region Münster-Osnabrück und Südniedersachsen als ländlicher Raum.

Ergebnisse
Die Wissensgesellschaft trägt zu einer Rekonfigurierung des Raumes bei. Es lässt sich beobachten, dass sich die wissensgesellschaftliche Stärke der meisten Agglomerationsräume in den wissensbasierten Dienstleistungen, der Wissenschaft und der Hochtechnologie sowie in den Informations- und Medienindustrien zeigt. Sie resultiert aus den reichhaltigen Wissenspotentialen, den Angeboten von Wissenschaft und Bildung sowie der Funktion von Metropolen als Knoten weltweiter Kommunikationsräume und Treffpunkt des Informationsaustausches innerhalb von Expertennetzwerken. In gewisser Hinsicht gehören aber auch weite Bereiche des ländlichen Raumes – die Zwischenzonen mit ihren „Regiopolen“ – ebenfalls zu den begünstigten Lagen, wobei sich der wissensgesellschaftliche Unterschied zu den Metropolräumen vor allem in der ökonomischen Dimension zeigt, die hier eher von Fertigungsbetrieben des Hochtechnologiebereichs repräsentiert wird. Die Prägung dieser ländlichen Räume durch ein schmaleres Spektrum der Wissensökonomie verweist auf ein vergleichsweise begrenztes wissensgesellschaftliches Ressourcenpotential in den Bereichen Wissenschaft und Bildung, Erreichbarkeit und folglich auch der wissensgesellschaftlichen Netzwerkbildung.
Die Spezifik des Wissens bringt es mit sich, dass die Räume der Wissensgesellschaft zu einem erheblichen Teil aus Netzwerken bestehen, die sich nur teilweise mit territorialen Raumkategorien in Deckung bringen lassen, zum Teil diese sogar bewusst übergehen. Den Netzwerken ist ein funktionaler Gehalt gemein, der es erforderlich macht, die Rekonfigurierung des Raumes nicht nur unter dem traditionellen physisch-geographischen, sondern auch unter anderen Aspekten zu betrachten. Der besondere Wert dieser funktionalen Netzwerke für eine territoriale Einheit wie eine Metropole, einen ländlichen Kreis oder eine Regiopole kann aber erst dann erschlossen werden, wenn diese verschiedenen Wissensräume der Netzwerkpartner miteinander verknüpft werden. Die damit einhergehende Bündelung erklärt die besondere wissensgesellschaftliche Eignung von – verdichteten – Agglomerationen genauso wie die speziellen Profile einiger Landkreise, bei denen die Bündelung um einen etablierten Entwicklungspfad herum erfolgt.
Vor diesem Hintergrund können wissensgesellschaftlich relevante Stadtregionen zum einen als in sich vernetzte Orte der Wissensgenerierung und des Lernens und zum anderen als Orte mit einem spezifischen, geballten Angebot von Ressourcen hierfür begriffen werden. Die in dieser Studie untersuchten Fallbeispiele liefern Anschauungsmaterial für die aus (wissens-) ökonomischer Perspektive große Bedeutung regional funktionierender Institutionenräume und für soziale und institutionelle Netzwerke, die die Verknüpfung unterschiedlichen Wissens und damit Lernprozesse auf regionaler Ebene begünstigen.

Kontakt im IRS
Prof. Dr. Hans Joachim Kujath
Tel.: 03362/793-159
e-mail: KujathH_at_irs-net.de

Dr. Axel Stein
Tel.: +49-3362/793-178
e-mail: SteinA_at_irs-net.de

Dr. Sabine Zillmer
Tel.: +49-3362/793-186
e-mail: ZillmerS_at_irs-net.de

Kai Pflanz
Tel.: +49-3362/793-286
e-mail: PflanzK_at_irs-net.de

Veröffentlichungen
KUJATH, Hans Joachim; STEIN, Axel (2009): Rekonfigurierung des Raumes in der Wissensgesellschaft. In: Raumforschung und Raumordnung, Jg. 67, 2009, Heft 5/6, S. 369-382

KUJATH, Hans Joachim; STEIN, Axel (2009): Spatial Patterns in the Knowledge Society. In: Kilper, Heiderose (ed.): German Annual 2009. New Disparities in Spatial Development in Europe. Heidelberg: Springer, S. 37-50

KUJATH, Hans Joachim; PFLANZ, Kai; STEIN, Axel; ZILLMER, Sabine (2008): Raumentwicklungspolitische Ansätze zur Förderung der Wissensgesellschaft. Von BMVBS / BBR veröffentlichter Forschungsbericht: Werkstatt Praxis, Heft 58. Bonn: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Impressum © 2012 IRS Alle Rechte vorbehalten - Realisierung :: Netzformat :: Internetagentur Stand: 26.07.10