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Druckversion von www.irs-net.de/forschung/forschungsabteilung-2/Nachtverlust/ (Datum: 17.05.2012 07:48:40)

Forschungsabteilung 2

Verlust der Nacht. Ursachen und Folgen künstlicher Beleuchtung für Umwelt, Natur und Mensch


Projektlaufzeit: 05/2010 - 04/2013

Auftraggeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektleiter: Dr. Timothy Moss
Weitere Bearbeiter: Dr. Ute Hasenöhrl, Katharina Krause

Licht in seiner natürlichen wie in seiner künstlichen Spielart löst überwiegend positive Assoziationen aus. Das elektrische Licht gilt geradezu als Kennzeichen der (urbanen) Moderne und erfüllt eine Vielfalt gesellschaftlicher Funktionen (Sicherheit im öffentlichen Raum; vom Tageslicht unabhängige ökonomische und soziale Aktivitäten; Inszenierung von Waren, Gebäuden oder ganzen Städten). Trotz dieser positiven Errungenschaften mehren sich heute (wieder) kritische Stimmen, welche die negativen Effekte der Beleuchtung auf Menschen und Tiere, Stadtbild und Landschaft oder den Energieverbrauch monieren und eine Reduzierung der „Lichtverschmutzung“ anmahnen. Eine Veränderung heutiger Praxen und Politiken im Umgang mit dem künstlichen Licht erfordert einerseits fundierte Einblicke in dessen Wahrnehmung durch verschiedene Akteursgruppen sowie über deren Interessen und Handlungsspielräume. Andererseits sind genaue Kenntnisse über die Entstehung und Verbreitung bestehender Beleuchtungssysteme sowie über Genese, Kontinuität und Wandel der mit dem Phänomen des künstlichen Lichts verbundenen Symbolwerte, Interessenslagen und Governanceformen von Nöten.

Das IRS führt im Rahmen des interdisziplinären BMBF-Forschungsnetzwerkes „Verlust der Nacht. Ursachen und Folgen künstlicher Beleuchtung für Umwelt, Natur und Mensch“ zwei Teilprojekte mit sozial- bzw. geschichtswissenschaftlicher Ausrichtung durch. Das sozialwissenschaftliche Teilprojekt analysiert im Untersuchungsraum Berlin-Brandenburg gegenwärtige Interessenslagen und Problemwahrnehmungen zur „Lichtverschmutzung“ sowie mögliche Handlungsmöglichkeiten und -bereitschaft der relevanten Stakeholder für eine Minimierung der Lichtverschmutzung. Zum ersten Mal werden Akteurskonstellationen um das künstliche Licht in unterschiedlichen Teilräumen untersucht: d.h. sowohl die Gestalter von Beleuchtungssystemen (Leuchtenhersteller, Energieversorger, Investoren, Werbebüros, Stadtplaner, Architekten etc.) als auch die Kritiker von Lichtverschmutzung (Umweltgruppen, Ökologen, Anwohner, Hobby-Astronomen etc.). Es gilt festzustellen, inwieweit Bündnisse um das Thema Lichtverschmutzung, sog. „Advocacy Coalitions“, in der Region erkennbar sind, welche Interessen sie verfolgen und welche institutionellen Handlungsmöglichkeiten sie – mit oder gegen die „Lichtgestalter“ – im politischen Prozess besitzen, um eine Trendwende zugunsten ökologisch und gesundheitlich verträglicher Beleuchtungssysteme zu bewirken.

Die geschichtswissenschaftliche Studie nimmt zum einen die historischen Gründe für die Attraktivität und Verbreitung des künstlichen Lichts im Untersuchungsraum Berlin-Brandenburg in den Blick. Dabei werden insbesondere seine gesellschaftliche Funktionen – und damit die Interessenslagen der Akteure – beleuchtet. Zum anderen geht die Studie aber auch Brüchen und Ambivalenzen im Paradigma des künstlichen Lichts als Symbol der Moderne nach. Hierzu gehören etwa Reaktionen auf den Ausfall des Lichts, Proteste gegen Werbebeleuchtung in ländlichen Räumen, romantisierende Bilder der Nacht als Gegensatz zur (beleuchteten) Stadt oder die unterschiedliche Verwendung von Lichtinstallationen in Ost- und West-Berlin. Durch die Dokumentation positiver wie negativer Images von Nachtlandschaften will die Untersuchung zu einem – auch räumlich – differenzierten Bild der Wahrnehmung des künstlichen Lichts in historischer Perspektive kommen, für historisch entstandene Werthaltungen und Handlungsspielräume sensibilisieren sowie mögliche technische und weltanschauliche Pfadabhängigkeiten identifizieren.

Die bisherigen Arbeiten der Forschungsabteilung 2 des IRS werden mit diesen Projekten in mehrfacher Hinsicht erweitert. Erstens werden die Hauptuntersuchungsobjekte der Abteilung – (Wasser-) Infrastrukturen und Kulturlandschaften – durch den Untersuchungsgegenstand des künstlichen Lichts (als Beleuchtungsinfrastruktur und als Nachtlandschaft) konsequent verknüpft. Zweitens werden mit dem neuen Forschungsfeld „Energie“ neue Erkenntnisse zum institutionellen Umgang mit Gemeinschaftsgütern erwartet. Drittens wird die systematische Verschränkung raum-, sozial- und geschichtswissenschaftlicher Perspektiven durch die interdisziplinäre Ausrichtung des Gesamtprojekts gestärkt. Mit folgenden Forschungseinrichtungen kooperiert das IRS im Rahmen des Verbunds „Verlust der Nacht“:

  • Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin – Koordination
  • Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin
  • Technische Universität Berlin (TUB)
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ), Leipzig
  • Forschungsgesellschaft für Arbeitsphysiologie und Arbeitsschutz e.V. (IfADo), Dortmund
  • Freie Universität Berlin

                       
Weitere Informationen zum Verbundprojekt „Verlust der Nacht“ sowie einführende Aufsätze zu den behandelten Teildisziplinen finden sich in Heft 2 (2009) der Zeitschrift „Zwischenruf“.

Siehe auch den Beitrag des Projektverbunds "The Dark Side of Light: A Transdisciplinary Research Agenda for Light Pollution Policy" in Ecology and Society 15(4): 13. Online unter www.ecologyandsociety.org/vol15/iss4/art13/

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