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Forschungsabteilung 2

KULAKon Institutionen der Kulturlandschaft (DFG)
Der Beitrag sektoraler Institutionensysteme zur Konstituierung von Kulturlandschaft und die Koordination der Interaktionsprozesse

Laufzeit: 1.6.2008 – 31.12.2011

Projektleitung: Prof. Dr. Heiderose Kilper,
Projektbearbeitung: Dipl. Ing. Ludger Gailing

Kurzfassung des Projektes

Kulturlandschaften gewinnen als Basis identitätsstiftender Handlungs- und Kooperationsräume zunehmende Relevanz im Mehrebenensystem des Staates und sind dabei Objekt neuer politischer Zielaussagen und Steuerungsversuche. Die Entstehung kulturlandschaftlicher Handlungsräume und regionaler Politik- und Planungsansätze zur Steuerung des Umgangs mit Kulturlandschaft erfolgt aber nicht in einheitlicher Weise, sondern durch eine Vielzahl sektoraler Institutionensysteme (z.B. Naturschutz, Denkmalpflege, Agrarpolitik, Tourismus, Raumordnung). Diese beeinflussen mit ihren jeweils spezifischen Ausprägungen von Verhaltensmustern und Regeln – in sozialwissenschaftlicher Perspektive verstanden als Institutionen – die Prozesse und Prinzipien der Konstituierung kulturlandschaftlicher Handlungsräume. Das Vorhaben ist innerhalb des Bündelantrags „KULAKon – Konstituierung von Kulturlandschaft“ angesiedelt und fokussiert auf die sektoralen Institutionensysteme sowie auf Formen einer kulturlandschaftsbezogenen Governance, die Beiträge zu deren Koordination und Interaktion leisten. Es werden Forschungsstränge der sozialwissenschaftlichen Institutionen- sowie der Governanceforschung mit empirischen Untersuchungen zur Konstituierung von Kulturlandschaften als Handlungsräumen verbunden. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Gewinnung grundlegender Erkenntnisse zur inneren Systemlogik ausgewählter sektoraler Institutionensysteme sowie zu ihrem Beitrag für die Konstituierung einzelner Kulturlandschaften und für Formen kulturlandschaftsbezogener Governance.

Foto SpreewaldKulturlandschaft

Dem Thema „Kulturlandschaft“ wird seit einigen Jahren eine beachtliche Aufmerksamkeit in raumpolitischen und raumwissenschaftlichen Debatten gewidmet. Die Aufgabe des Erhalts historischer bzw. gewachsener Kulturlandschaften hat bereits seit längerem formelle Gesetzeskraft erlangt. Anders als die bundesdeutschen gesetzlichen Regelungen thematisieren Dokumente wie das Europäische Raumentwicklungskonzept und die Europäische Landschaftskonvention nicht nur Aspekte des Schutzes der Kulturlandschaften, sondern auch deutlich Aspekte ihrer Nutzung und kooperativen Entwicklung. Auch die Leitbilder und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland folgen dieser inhaltlichen Neuausrichtung.
Die neueren politisch-programmatischen Ziele zur integrativen Kulturlandschaftsentwicklung, zur Integration kulturlandschaftlicher Belange in sektorale und raumbezogene Politikfelder sowie zur umfassenden Beteiligung der Bevölkerung verweisen auf einen anderen Bedarf an grundlagenorientierten Wissen zum Umgang mit Kulturlandschaft als im traditionellen Kontext schutzorientierter und elementaristischer Ansätze. Forschungsbedarf besteht insbesondere bezüglich der Frage, welche Wirkungskräfte bei der handlungsräumlichen Konstituierung von Kulturlandschaften relevant sind, auf welche Weise dabei Integrationsansprüche umgesetzt werden und inwieweit eine Koordination sektoraler Perspektiven in integrierten Raumentwicklungsstrategien möglich ist.
In neuerer sozialwissenschaftlicher Perspektive wird die gesellschaftliche Konstruktion der „Kulturlandschaft“ betont. Kulturlandschaft wird demnach beeinflusst durch rahmengebende Regelungen, traditionelle Werte, symbolische Bewertungen, Formen der kulturellen Praxis und konstituiert sich in Wahrnehmung und Identität von Bewohnern oder Außenstehenden. Einem umfassenden Kulturlandschaftsverständnis folgend ist die Kulturlandschaft Foto Wörlitzer Gartenreichsowohl politischer Raum als auch ästhetisches Anschauungsobjekt, Ergebnis von Ressourcennutzung sowie Bezugsraum von „narratives of landscape“. Bei der Frage nach den Prinzipien der Konstituierung von Kulturlandschaften ist mithin eine akteurs- und institutionenbezogene Perspektive wesentlich.

Institutionen und Governance

Entscheidend für ein holistisches Kulturlandschaftsverständnis ist der Verzicht auf eine normative sektorale Positionierung. Der Erkenntnis, dass Kulturlandschaft in einem transitorischen Prozess als Residualprodukt menschlichen Handelns entsteht und sich in der Wahrnehmung und Bewertung von Bewohnern und einer heterogenen Experten- und Alltagskultur konstituiert, lenkt den Blick auf die sektoralen Institutionensysteme, die in diesem Prozess eine bedeutende Rolle spielen: Institutionensysteme der Landnutzung (z.B. Landwirtschaft), des Landschaftsschutzes (z.B. Denkmal- oder Naturschutz) oder der Integration beider Perspektiven (z.B. Raumordnung) spielen mit ihren jeweiligen Kulturlandschaftsverständnissen, Regelungs- und Anreizsystemen sowie Handlungsstrukturen eine wesentliche Rolle, die aber noch nicht in ausreichendem Maße ergründet worden ist.
Institutionen- und Governanceforschung sind als Komplementäre zu sehen: Während der steuerungsbezogene Ansatz der Governance-Forschung das prozessuale Steuerungshandeln selbst thematisiert, widmet sich die Institutionenforschung den rahmengebenden Strukturen des Handelns.

Ziele des Projektes

1. Theorieverknüpfung: Durch die innovative Verknüpfung der Forschungsstränge der sozialwissenschaftlichen Institutionenforschung sowie der Governanceforschung mit Forschungen zur Konstituierung von Kulturlandschaft soll ein eigenständiger Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Raum- und (Kultur-) Landschaftsforschung geleistet werden. Dabei soll insbesondere die Rolle sektoraler Institutionensysteme für die handlungsräumliche Konstituierung von Kulturlandschaft sowie für Formen kulturlandschaftsbezogener Governance bestimmt werden.

2. Sektorale Institutionensysteme: Ausgewählte sektorale Institutionensysteme sollen hinsichtlich ihrer Systemlogik sowie ihrer Wirkung auf regionale institutionelle Arrangements und Governanceformen zur Steuerung des Umgangs mit Kulturlandschaft untersucht werden. Es soll geklärt werden, welche Wirkungszusammenhänge die Konstituierung von Kulturlandschaften insbesondere in ihrer Ausprägung als regionale Handlungsräume beeinflussen.

3. Fallstudien zur kulturlandschaftsorientierten Governance: Abgeleitet aus theoriegestützten Abhandlungen sowie empirischen Analysen und Fallstudien soll die Wirksamkeit der sich herausbildenden Formen der politischen Steuerung der Kulturlandschaftsentwicklung erforscht werden, insbesondere angesichts der in politisch-programmatischen Dokumenten festgehaltenen Prämissen zur Entwicklung von Kulturlandschaften und der dafür notwendigen Ermöglichung sektorübergreifender Ansätze. Es sollen im Sinne eines grundlagengebundenen Orientierungswissens Schlussfolgerungen für regionale Planungs- und Politikansätze abgeleitet werden.

Fallstudien

Empirische Fallstudien werden in vier Kulturlandschaften durchgeführt:

  • Spreewald
  • Dessau-Wörlitzer Kulturlandschaft
  • Eifel
  • Altes Land

Foto SpreewaldVerbundprojekt KULAKon

Das Vorhaben wird im Rahmen des raumwissenschaftlichen Netzwerks 4R der Leibniz Gemeinschaft bearbeitet. Parallel zum Kulturlandschaftsprojekt des IRS wurden auch Projekte des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) in Leipzig, des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden und der Technischen Universität Berlin von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt. Die Projekte beschäftigen sich mit unterschiedlichen Facetten des gemeinsamen Oberthemas „Konstituierung von Kulturlandschaft“. Die selbständigen Einzelprojekte stehen unter dem Dach einer gemeinsamen Rahmenkonzeption und wurden gebündelt bei der DFG beantragt. Alle Vorhaben haben eine Laufzeit von drei Jahren und enden im Jahr 2011.

Publikationen (Auswahl):

Gailing, Ludger; Leibenath, Markus (2010): Diskurse, Institutionen und Governance: Sozialwissenschaftliche Zugänge zum Untersuchungsgegenstand Kulturlandschaft. In: Berichte zur deutschen Landeskunde, 84. Jg., H. 1, 9-25

Gailing, Ludger (2010): Kulturlandschaften als regionale Identitätsräume: Die wechselseitige Strukturierung von Governance und Raum. In: Kilper, Heiderose (Hrsg.): Governance und Raum. Nomos: Wiesbaden, 49-72

Gailing, Ludger; Kilper, Heiderose (2010): Institutionen- und Handlungsräume als sozio-politische Konstruktionen. In: Kilper, Heiderose (Hrsg.): Governance und Raum. Nomos: Wiesbaden, 93-101

Gailing, Ludger (2012): Dimensions of the Social Construction of Landscapes - Perspectives of New Institutionalism, In: Proceedings of the Latvian Academy of Sciences, Section A Social Sciences and Humanities. Vol. 66 (special issue) (angenommen am 03.10.2011; i.E.)

Gailing, Ludger (2012): Sektorale Institutionensysteme und die Governance kulturlandschaftlicher Handlungsräume. Eine institutionen- und steuerungstheoretische Perspektive auf die Konstruktion von Kulturlandschaft. In: Raumforschung und Raumordnung (angenommen am 30.11.2011;
online verfügbar unter http://www.springerlink.com/content/e2uj2t7576745250/fulltext.pdf)

Gailing, Ludger; Leibenath, Markus (2012): Von der Schwierigkeit, „Landschaft“ oder „Kulturlandschaft“ allgemeingültig zu definieren. In: Raumforschung und Raumordnung (angenommen am 26.10.2011;
online verfügbar unter http://www.springerlink.com/content/838l731rh84j4r81/fulltext.pdf)

Moss, Timothy; Gailing, Ludger (2010): Institutionelle Herausforderungen und Governance-Formen für die nachhaltige Entwicklung von Biosphärenreservaten. In: Deutscher Rat für Landespflege (Hrsg.): Biosphärenreservate sind mehr als Schutzgebiete - Wege in eine nachhaltige Zukunft. Meckenheim, 123-126

 

Ansprechpartner im IRS
Ludger Gailing

 

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