Projektlaufzeit: Mai 2006 bis Mai 2008
Projektleitung: Dr. Dagmar Tille
Projektbearbeitung: Dr. Jan Prömmel
Projektförderung: Interreg III B
Projektinhalte
Mit dem Projekt “Hist.Urban - Integrated Revitalization of Historic Towns to promote a polycentric and sustainable development” wurden Rahmenbedingungen, Strategien und Ansätze der Revitalisierung historischer Klein- und Mittelstädte in Europa erstmals in einem transnationalen Rahmen betrachtet. Von 2006 bis 2008 hat das Interreg III B-Projekt den Rahmen für einen intensiven Austausch zwischen 19 teilnehmenden Partnern aus neun europäischen Ländern des CADSES-Raums (Central European, Adriatic, Danubian and South-Eastern European Space) zu aktuellen Fragen der Revitalisierung historischer Klein- und Mittelstädte geboten. Darunter waren Stadtverwaltungen, raum- und sozialwissenschaftliche Forschungsinstitute, regionale Gebietskörperschaften sowie weitere halböffentliche und private Partner. Im Mittelpunkt standen die derzeitigen Herausforderungen im Revitalisierungsprozess, vorhandene Lösungsansätze und Ergebnisse, aber auch Bedarfe und Ziele einer stärker integrierten und ressortübergreifenden Herangehensweise an den. Parallel dazu wurden in den teilnehmenden Städten konkrete Revitalisierungsmaßnahmen beispielhaft konzipiert oder implementiert.
Das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) hat diesen Prozess wissenschaftlich begleitet, gemeinsam mit dem Centre for Regional Studies (CRS) der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Leadpartner war der Deutsche Verband (DV).
Ausgehend von der Analyse und dem Vergleich unterschiedlicher nationaler Kontexte und Transformationshintergründe wurden die vor Ort entwickelten Revitalisierungsansätze ausgewertet und konkrete Zielsetzungen abgeleitet. Aufbauend auf einer 2007 erarbeiteten „Base-line study“ wurde 2008 das abschließende „Hist.Urban Transnational Manual“ vorgelegt. Es erläutert, welchen besonderen Stellenwert Stadtsanierungs- und -erhaltungsprozesse für die Entwicklung der Städte besitzen. Es dokumentiert das besondere Einvernehmen, das hinsichtlich der identitiätsstiftenden Wirkung durch das baukulturelle Erbe in den beteiligten Städten deutlich wurde. Und stellt schließlich dar, in welcher Weise sich die Revitalisierungsansätze in den historischen Klein- und Mittelstädten des CADSES-Raums bereits in integrierter Form vollziehen. Im Ergebnis wird demonstriert, welche Strategien und Instrumente dabei unter welchen Bedingungen erfolgreich zur Anwendung kommen.
Ergebnisse
Planungskultur und Prozesssteuerung in den historischen Städten Europas sind geprägt von einer Vielzahl differenzierter Planungs- und Steuerungsverfahren. Diese sind Ergebnis nationaler Planungstraditionen und Planungspraxen. Dass herkömmliche sektorale Ansätze mit dieser Aufgabe zumindest langfristig überfordert sind, wurde anhand der Situation in vielen europäischen Altstädten deutlich. Hier haben sich, beschleunigt durch die Prozesse der Transformation, des ökonomischen und sozialen Strukturwandels, zum Teil komplexe Problemlagen herausgebildet, die eine fortschreitende Gefährdung des baukulturellen Erbes nach sich ziehen können. Hier wurde sehr deutlich, dass es zu ihrer Lösung integrierter Vorgehensweisen bedarf - und zwar mit Blick auf die Wechselwirkungen einzelner Problemlagen innerhalb dieser Quartiere ebenso wie mit Blick auf die Sicherung der städtischen Kohäsion.
Viele Kommunen wenden sich deshalb bereits integrierten Ansätzen in der Stadtentwicklung zu, allerdings in unterschiedlicher Tiefe und Reichweite. Diese Ansätze sind gekennzeichnet durch (a) einen übersektoralen, interdisziplinären und gesamtstädtischen Anspruch, (b) eine kooperative und kommunikative Prozessgestaltung sowie (c) ihre Implementierungsorientierung.
Die wesentlichen Projekterkenntnisse werden im „Hist.Urban Transnational Manual“ anhand konkreter Fallbeispiele aus dem Projektzusammenhang analytisch dargestellt und erläutert. Daraus wurden Handlungsempfehlungen zu integrierten Revitalisierungsansätzen abgeleitet, die insbesondere für die Stärkung von Klein- und Mittelstädten mit historischen Stadtkernen relevant sind. Ziel ist es, den Projektpartnern eine Orientierungshilfe bei der weiteren Gestaltung der Erhaltungs- und Revitalisierungsprozesse in ihren Städten zu bieten und zugleich lokale Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung zur Implementierung solcher Ansätze zu überzeugen.
Diesem Anliegen diente auch die Verabschiedung der im Rahmen der Projektarbeit unter den Partnern abgestimmten “Europäischen Erklärung für eine integrierte Revitalisierung historischer Städte“ am 21. April 2008 durch 100 Vertreter von Städten, regionalen Einrichtungen und Forschungsinstituten aus 10 europäischen Ländern, die anlässlich der Hist.Urban Final Conference in Verona (Italien) erfolgte. Die Unterzeichner der Deklaration rufen lokale, regionale, nationale und europäische Entscheidungsträger auf, sich der Erklärung anzuschließen und insbesondere integrierte Strategien für eine nachhaltige und zukunftsweisende Entwicklung historischer Städte zu fördern.
Ansprechpartner:
Publikation:
PRÖMMEL, Jan; TILLE, Dagmar; Nagy, Erika; Timar, Judit; Geser, Guntram; Scheffler, Nils; Schwarz, Petra (eds.): Hist.Urban: Integrated Revitalisation of Historic Towns to Promote a Polycentric and Sustainable Development; Transnational Manual; Project of INTERREG IIIB CADSES. Berlin: Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, 2008