Ein wichtiges Ziel des Forschungsvorhabens bestand darin, Onlinebefragungen als Methode zur Ermittlung subjektiver Lebensqualität zu erproben. Die Forschungsfrage war eine doppelte: Erstens, ob Onlinebefragungen bei diesem Thema überhaupt eingesetzt werden können und zu aussagekräftigen Ergebnissen führen; und zweitens, ob sie in Mittel- und Kleinstädten eingesetzt werden können. Zur Akzeptanz dieses Mediums bei Befragungen über kommunalpolitische Themen lagen keine Erfahrungen vor. Auch war nicht bekannt, ob insbesondere in Klein- und Mittelstädten die Zahl der Zugriffe auf die jeweilige Homepage ausreicht, um für eine solche Befragung eine ausreichende Basis zu sichern. Um dies zu überprüfen, ist die Onlinebefragung in den sieben Städten zweimal während eines Zeitraums von jeweils rund acht Wochen durchgeführt worden. Die erste Welle fand im Oktober und November 2003 statt, die zweite ein Jahr später.
Um die neue Methode der Onlinebefragung auch einer inhaltlichen Kontrolle zu unterziehen, wurden telefonische Befragungen ebenfalls in zwei Wellen parallel zur Onlinebefragung durchgeführt. Die Fallzahlen orientierten sich dabei mit jeweils 1.050 Befragten an dem finanziell Machbaren und lagen in Größenordnungen, die auch ex ante von der Onlinebefragung erreichbar, zumindest wünschenswert, erschienen. Für die einzelnen Städte, auf die jeweils 150 Interviews entfielen, erhöht sich dadurch allerdings die Fehlertoleranz und es waren kaum Differenzierungen nach sozialen Merkmalen der Befragten möglich. Die telefonische Befragung unterliegt damit, bis auf die zufällige Auswahl der Befragten, ganz ähnlichen Bedingungen wie die Onlinebefragung.
Innerhalb des Zeitraums von rund zwei Monaten, während dessen die Befragungen jeweils freigeschaltet waren, konnte in beiden Wellen eine Beteiligung von insgesamt jeweils rund 1.300 Teilnehmern erzielt werden (2003: 1.324, 2004: 1.291 verwertbare von insgesamt 1.384 ausgefüllten Fragebögen). Insgesamt stellt die relativ konstante Beteiligungsbereitschaft ein sehr ermutigendes Ergebnis für eine kontinuierliche Durchführung der Befragung dar. Allerdings verbergen sich hinter der konstanten Teilnehmerzahl starke Schwankungen bei der Mitwirkung in den einzelnen Städten. Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse, dass sich Onlinebefragungen in Klein- und Mittelstädten erfolgreich anwenden lassen. Allerdings sind die Voraussetzungen in Mittelstädten besser.
Die Teilnehmerstruktur ist also, wie dies zu erwarten war, nicht repräsentativ für die Bevölkerung insgesamt. Onlinebefragte sind im Schnitt jünger, besser ausgebildet, zu größeren Teilen berufstätig und es nehmen mehr Männer an der Befragung teil. Positiv ist jedoch zu konstatieren, dass mit gut 15 Prozent relativ viele Befragte über 50 Jahren an der Onlinebefragung teilgenommen haben, die Teilnahme also nicht so „jugendlastig“ war, wie man hätte annehmen können. In beiden Wellen der Online-Befragung lag das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei rund 35 Jahren und damit unter dem tatsächlichen Wert für die sieben Städte. Für eine Bewertung der Lebensqualität in den Städten ist die stärkere Beteiligung jüngerer und wirtschaftlich aktiver Teile der Bevölkerung letztlich nicht von Nachteil. Erstens sind jüngere Befragte erfahrungsgemäß kritischer und zweitens in höherem Maße mobil. Sie sind also stärker in der Lage, praktische Konsequenzen aus ihrer Haltung zu ziehen. Für die Kommunen bildet ihr Urteil also in höherem Maße ein „Frühwarnsystem“. Im Unterschied dazu tendiert eine telefonische Befragung dazu, den älteren und in der Regel zufriedeneren Teil der Bewohnerschaft abzubilden. Als Seismograf für Veränderungen in der Lebensqualität sind diese weniger geeignet.
Insgesamt zeigt sich, dass die Stabilität bei der Beurteilung der abgefragten Sachverhalte bei der Onlinebefragung höher lag als bei der telefonischen Befragung. Die relativ hohe Zahl der Abweichungen der Urteile bei der telefonischen Befragung, die noch dazu teilweise relativ groß waren, warf größere Interpretationsprobleme auf als die Onlinebefragung, die damit aus diesem Blickwinkel sogar zuverlässiger als die telefonische Befragung erscheint.
Sehen Sie hier unseren Fragebogen der Onlinebefragung aus dem Jahr 2003.
Weitere Informationen lesen Sie zu dem Thema in der Publikation REGIO transfer 6.