Imagebild
Trennbalken

Weiteres zur Forschungs- abteilung 1

Kurzprofil

Forschungsprofil

Leitprojekt

Projekte

Publikationen

Portal zur Wissensökonomie

Diskussionsforum

Abteilungsflyer

Druckversion von www.irs-net.de/profil/forschungsabteilungen/forschungsabteilung-1/leitprojekt2005.php (Datum: 07.02.2012 21:25:19)

Forschungsabteilung 1

Regionalisierung und Wirtschaftsräume

Leitprojekt

Metropolnahe Stadtregionen im Netzwerk metropolitaner Informationsdienstleistungen

Projektleiter:
Prof. Dr. Hans Joachim Kujath

Projektteam:
Dr. Michael Arndt, Suntje Schmidt M.A., Dr. Axel Stein, Dipl.-Math. Manuela Wolke, Dr. Sabine Zillmer

Bearbeitungszeitraum:
01/2003-12/2005

Fragestellung
Basierend auf vorhergehenden Wirtschaftsraumanalysen, Forschungen zur Clusterbildung und Vernetzung von Industrien sowie zu den sehr spezifischen interorganisatorischen Beziehungsformen der Dienstleistungswirtschaft und Wissensökonomie in den Metropolregionen ging das Forschungsprojekt „Metropolnahe Stadtregionen im Netzwerk metropolitaner Informationsdienstleistungen“ der Frage nach, welche wirtschaftsräumlichen Konsequenzen sich aus der sich ausbreitenden Informations- und Wissensökonomie ergeben. Wie eigene frühere industriebezogene und die metropolitane Wirtschaft betreffende Studien bereits zeigten, entsteht neues regionales Wachstum primär aus der Ökonomisierung der Nutzbarmachung von (wissenschaftlichem) Wissen und der sich daraus ergebenden rapiden Expansion des Angebots von vermarktbaren immateriellen Wissensgütern und Dienstleistungen. Aus der Sicht der Raumforschung stellt sich die Frage, wie dieser dynamische wirtschaftliche Strukturwandel auf die Raumnutzungsstrukturen, d.h. die Standortstrukturen der Unternehmen, ihre wirtschaftlichen Verflechtungen und Mobilitätsmuster sowie die damit verbundenen neuen Standortanforderungen, Transport- und Kommunikationsinfrastrukturbedarfe zurückwirken. An Beispielen des Verhältnisses zwischen ausgewählten Metropolen und ihrem Umland einerseits sowie metropolferneren Regionen andererseits (in den Großräumen Berlin-Brandenburg, München-Südbayern) wurde untersucht, ob und wie die den Metropolregionen jeweils benachbarten Stadtregionen in die neuen ökonomischen Zusammenhänge eingebunden werden und welche Rolle die Informationsdienstleistungen in diesem Kontext spielen. Hierbei standen die sozio-ökonomischen und räumlichen Vernetzungen der wissensbasierten Informationsdienstleister mit den jeweils benachbarten Metropolen im Fokus der Betrachtung.

Untersuchte Stadtregionen Untersuchte Stadtregionen

Untersuchte Stadtregionen im Hinterland der
Metropolregion Berlin und der Metropolregion München

 

Methodisches Vorgehen
Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden standardisierte Befragungen zur wirtschaftlichen Verflechtung von Unternehmen der Wissensökonomie (Anbieter-Kunden, Kooperationen, Gewinnung von neuen Informationen, Anbieter-Zulieferer usw.) in den Regionen Berlin-Brandenburg und München-Südbayern durchgeführt. Es handelte sich dabei um eine Kombination von Online-Befragung und schriftlicher Befragung. Für den Raum Frankfurt-Rhein-Main wurde von einem Kooperationspartner des IRS (TU Darmstadt / ZIT) eine gleichartige Befragung durchgeführt.
Die erhobenen Daten wurden anschließend verschiedenen statistischen Analysen unterzogen, so z.B. mehreren Kontingenzanalysen mit Hilfe der Statistiksoftware SPSS. Des Weiteren wurde ein Teil der Daten mit Hilfe der Software LIMDEP ökonometrischen Analysen unterzogen, um mit Hilfe eines Logit-Modells die verschiedenen Einflussfaktoren auf das (räumliche) Verhalten der metropolitanen Dienstleistungsbetriebe gegenüber Kunden, Zulieferern, Partnern und Wissensquellen schätzen zu können.

Ergebnisse
Mit den Projektergebnissen kann gezeigt werden, dass nicht nur in den metropolitanen Kernen die Wissensökonomie den grundlegenden Strukturwandel von Wirtschaft und Gesellschaft widerspiegelt, sondern auch die größeren Städte des Hinterlandes der Metropolen von diesem Wandel erfasst worden sind. Die einander ähnelnden Ergebnisse aus den drei Untersuchungsregionen lassen sich drei Schwerpunkten zuordnen.

Erstens wurde den wirtschaftsräumlichen Verflechtungsstrukturen der Betriebe in den Stadtregionen des Hinterlandes nachgegangen. Die zu überprüfende Hypothese war, ob im Hinterland aufgrund von Standortnachteilen bezüglich infrastruktureller Ausstattung Wissensprodukte weniger aus überregionalen Wissensnetzwerken als vielmehr aus regionalen Ressourcen heraus erzeugt werden und auch die Kunden sich überwiegend in der Region befinden. Tatsächlich zeigte sich, dass – im Unterschied zu den im Vorgängerprojekt untersuchten Betrieben in Metropolen – ein hoher Anteil der befragten Betriebe ihre Kunden ausschließlich innerhalb der eigenen Stadtregion hat und die Wissensprodukte überwiegend aus endogenen regionalen Ressourcen, z.B. in Zusammenarbeit mit regionalen Kooperationspartnern, erstellt werden. Die darin zum Ausdruck kommende regionale Bindung der Betriebe wird auch durch die im Vergleich zu metropolitanen Betrieben relativ stärkere regionale Verflechtung mit regionalen Hochschulen belegt. Räumliche Nähe zu Netzwerkpartnern und damit innerregionaler Wissensaustausch ist hier wichtiger als in den Metropolen. Damit sind die Betriebe der Wissensökonomie im Hinterland der Metropolen aber auch weniger überregional orientiert, was sich z.B. in ihrer vergleichsweise geringen Exportneigung zeigt.

Zweitens wurde untersucht, inwieweit die Wissensökonomie im Hinterland das Ergebnis eines langfristigen betrieblichen Dispersions- und Verlagerungsprozesses, z.B. im Rahmen von Standardisierungsprozessen aus den Metropolen heraus ist. Die Hypothese, dass dies der Fall sei, konnte jedoch nicht bestätigt werden. Es konnte kein von Abhängigkeit geprägtes Beziehungsgeflecht von Zentralen und Zweigniederlassungen zwischen den Metropolen und den Städten im Hinterland nachgewiesen werden. Faktisch sind die befragten Betriebe in den metropolnahen Stadtregionen in ihrer überwiegenden Mehrzahl nicht über Konzernverbünde mit den Metropolen verbunden, d.h. es haben nur wenige Auslagerungen und Filialgründungen stattgefunden. Offensichtlich handelt es sich um eine eigenständige Entwicklung, die zwar in den größeren metropolitanen Kontext eingebunden ist, d.h. vom Wissensreichtum der Metropolen profitiert, aber nicht als Ableger der metropolitanen Wirtschaft zu verstehen ist.

Drittens gibt es in den Stadtregionen des Hinterlandes neben der großen Gruppe der regional gebundenen Betriebe auch zahlreiche mit einem überregionalen Kundenstamm. Die Hypothese, dass diese Betriebe ihre überregionale Expansion auf regionale Netzwerke und Kontexte stützen, wurde durch die Untersuchungsergebnisse widerlegt. Die Betriebe mit überregionalen Kunden sind in hohem Maße auch in überregionale Kontexte eingebunden, in überregionale Netzwerke der Zulieferer, Wissensquellen, Kooperationspartner, und folgen damit ähnlichen Verflechtungslogiken wie ihre Pendants in den Metropolen. Je größer ihr überregionaler Kundenanteil ist, desto größer ist auch der Anteil des übrigen überregionalen Netzwerkes. Für die Wahl des regionalen Standortes sind für diese Betriebe hingegen die Verfügbarkeit geeigneter leistungsfähiger Kommunikations- und Personentransportinfrastrukturen – wie in den Metropolen – von zentraler Bedeutung. Die Frage, ob sich die Städte im Hinterland der Metropolen zu leistungsfähigen Standorten einer exportorientierten Wissensökonomie entwickeln können, ist also hochgradig von der Ausstattung mit IuK-Technologien und Internet (Breitband) als neuer Basisinfrastruktur und von schnellen Verkehrsverbindungen abhängig. Im Einzelnen wurden das Auto als Transportmittel zu den überregionalen Kunden und die Qualität von Infrastrukturknoten (Flughafen) sowie die Telekommunikation als noch wichtiger eingeschätzt als von den Betrieben in den Metropolen, aber auch in stärkerem Umfang als verbesserungswürdig. Mehr noch als in den Metropolen mit ihrem Ressourcenreichtum ist die Wissensökonomie im Hinterland auf die Sicherung des Nachschubs an qualifizierten Arbeitskräften von außen angewiesen. Aus der Sicht der Unternehmen stellt die Bindung einer kritischen Masse von geeigneten Fachkräften an die Städte des Hinterlandes eine besonders große Herausforderung dar.

Publikationen
HEINELT, Hubert; KUJATH, Hans Joachim; ZIMMERMANN, Karsten (Hrsg.): Wissensbasierte Dienstleister in Metropolräumen, Opladen & Farmington Hills: Barbara Budrich, 2007

KUJATH, Hans Joachim: Die Städte der Wissensökonomie. In: Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Kreativen:Wirkung. Urbane Kultur, Wissensökonomie und Stadtpolitik. Reihe Bildung und Kultur, Band 2. Berlin, 2008. S. 16-20

Impressum © 2012 IRS Alle Rechte vorbehalten - Realisierung :: Netzformat :: Internetagentur Stand: 21.07.10