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Leitprojekt
Implikationen der Wissensökonomie für die Entwicklung des deutschen Städtesystems
Projektleiter:
Prof. Dr. Hans Joachim Kujath
Projektteam:
Kai Pflanz M.A., Suntje Schmidt M.A., Dr. Axel Stein, Dipl.-Math. Manuela Wolke, Dr. Sabine Zillmer
Bearbeitungszeitraum:
01/2006-12/2008
Städte waren schon immer ein Spiegelbild wirtschaftlichen Strukturwandels. Doch in den letzten beiden Jahrzehnten beobachten wir eine neue Phase dieses Wandels, der sich in zum Teil tiefgreifenden Veränderungen vieler Städte niederschlägt. Diese neue Phase wird in Wechselwirkung mit der wirtschaftlichen Globalisierung und der zunehmenden Wissensbasierung der Wirtschaft gesehen.
Die Besonderheiten des wissensbasierten Wirtschaftens wirken auf die Städte in ihren Außenbeziehungen ebenso wie auf ihre inneren Strukturen ein und verändern beide grundlegend. Je deutlicher die die Städte prägende Vielfalt der Wissensökonomie sichtbar wird, desto dringender stellt sich die Frage, ob dadurch auch eine grundlegende Rekonfiguration des Verhältnisses der Städte untereinander ausgelöst wird: Ob und wie sind die durch wissensökonomische Aktivitäten geprägten Städte in die wirtschaftsbezogenen Austauschsysteme und Kommunikationsbeziehungen der Wissensökonomie eingebunden? Kommt es zu einem von der Wissensökonomie geprägten neuartigen Städtesystem?
Ein Spezifikum der von der Wissensökonomie vorangetriebenen Raumkonfiguration dürfte sein, dass sich die Städte als durch spezifische Wissensdomänen geprägte, räumlich fixierte Systemknoten eines Wissensnetzwerkes definieren. Neuere Theorieansätze betonen, dass Städtesysteme das Ergebnis der Überlagerung globaler Beziehungen sind, in denen Kontakt- und Kommunikationsnetzwerke wichtiger sind als Güterströme. Ursächlich sind danach die spezifischen Eigenschaften von Wissen, dessen Nutzung und Transfer nicht allein von physisch-räumlichen, sondern vor allem von kognitiven oder institutionellen Parametern abhängig ist.
Das Ziel dieses Projektes bestand darin, die räumlichen Auswirkungen wissensbasierter ökonomischer Aktivitäten zu beschreiben und zu erklären. Dabei wurde vor allem der Frage nachgegangen, in welchem Umfang auch mittlere und kleinere Städte in die Interaktionsbeziehungen der Wissensökonomie eingebunden sind und ob und wie sie mit den Metropolen und ‚global cities’ vernetzt sind. Der zweite Schwerpunkt des Projektes richtete sich auf die Wirkungskräfte, die hinter den neuen wissensökonomischen Raumkonfigurationen stehen. Die theoretische Grundlage bildeten die Neue Institutionenökonomik (insbesondere der Transaktionskostenansatz) sowie systemtheoretische Überlegungen.
Methodisches Vorgehen
Den Ausgangspunkt bildete eine theoriegeleitete Differenzierung der Wissensökonomie entlang der Nutzung sowie Generierung und Vermarktung von Wissen in weitestgehend disjunkte Teilsysteme. Darauf aufbauend wurden probabilistische Hypothesen formuliert und mittels folgender empirischer Methoden verifiziert:
Ergebnisse
Die theoriegeleitete Ausdifferenzierung der Wissensökonomie führte zur Herleitung und Operationalisierung von vier funktionalen Teilsystemen der Wissensökonomie:
Ausgehend von der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung dominieren innerhalb der Wissensökonomie die Hochtechnologieindustrie und die transaktionsorientierten Dienstleister. Die sekundärstatistischen Analysen (Basis: Daten der Bundesagentur für Arbeit zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Wirtschaftsbereichen und Berufen der Jahre 1998 und 2006) zeigten, dass die vier Funktionstypen der Wissensökonomie spezifische Standortmuster generieren. Während sich Transaktionsdienstleister und Unternehmen der Informations- und Medienindustrie eher in größeren Agglomerationen konzentrieren, bevorzugen Transformationsdienstleister und die Hochtechnologieindustrie überwiegend kleine und mittlere Städte. Das (deutsche) wissensökonomische Städtesystem kann vereinfacht als ein duales System verstanden werden, in dem es zum einen eine Konzentration von dabei vielfältigen wissensökonomischer Aktivitäten in großen Agglomerationen gibt und zum anderen eine stärkere räumliche Verteilung einzelner wissensökonomischer Spezialisierungen.

Die Aussagen zu den vier Teilsystemen der Wissensökonomie zusammenfassend konnte eine wissensökonomische Regionstypisierung Deutschlands für das Jahr 2006 erstellt werden. Danach ist die Mehrzahl der Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands in das wissensökonomische Städtesystem integriert. Mit Ausnahme Baden-Württembergs gibt es in allen Bundesländern aber auch Städte unterschiedlicher Größe, die in keinem der wissensökonomischen Funktionsbereiche durchschnittliche Ausprägungen, geschweige denn Spezialisierungen, aufweisen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes richtete sich auf die Analyse der Raumwirksamkeit von Transaktionskosten und institutionellen Arrangements. Ausgehend von den Beziehungen wissensökonomischer Betriebe zu ihren Kunden wurden Spezifika, aber auch Übereinstimmungen zwischen zwei Teilsystemen der Wissensökonomie herausgearbeitet. Basis bildete die schriftliche Befragung bei Betrieben der Hochtechnologie und transaktionsorientierten Dienstleistern in ausgewählten Städten und Regionen Baden-Württembergs und Ostdeutschlands im Jahr 2008. Dabei zeigte sich, dass
Publikationen:
2010
Kujath, Hans Joachim: Der Wandel des Städtesystems in der Wissensökonomie. In: Roost, Frank (Hg.): Metropolregionen in der Wissensökonomie. Detmold: Rohn (Metropolis und Region, 5), S. 19-43
Kujath, H. J.: Wirtschaftlicher Strukturwandel zur Wissensökonomie – Eine Herausforderung für Städte und Regionen. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. Arbeitskreis für Kommunalpolitik (Hrsg.): Perspektiven für die Stadt-, Regional- und Raumentwicklung. Sankt Augustin, S. 31-52
Kujath, H. J.; Zillmer, S. (Hrsg.): Räume der Wissensökonomie – Implikationen für das deutsche Städtesystem. LIT Verlag, Münster
Stein, A.: Transaktionskosten in Anbieter-Kunden-Beziehungen der Wissensökonomie. In: Kilper, H. (Hrsg.): Governance und Raum. Baden-Baden, Nomos Verlag, S. 189-212
2009
Kujath, H. J.: Leistungsfähigkeit von Metropolregionen in der Wissensökonomie – die institutionentheoretische Sicht. In: Metropolregionen. Innovation, Wettbewerb, Handlungsfähigkeit: Metropolregionen und Raumentwicklung Teil 3. Forschungs- und Sitzungsberichte der ARL, Band 231, S. 200-222
Kujath, H. J.: Von der Stadtregion zur polyzentrischen Megastadtregion. Der Wandel des deutschen Städtesystems unter dem Einfluss der Wissensökonomie. RegioPol, Zeitschrift für Regionalwirtschaft, Nr. 1, S. 201-215
Schmidt, S.; Wolke, M.: The Importance of Infrastructures and Interaction Networks for Regional Competitiveness in the Knowledge Economy. In: Kilper, H. (Hrsg.): German Annual of Spatial Research and Policy 2009. New Disparities in Spatial Development in Europe. Springer, Berlin, Heidelberg, S. 51-66
Zillmer, S.: Abgrenzung und Operationalisierung der Wissensökonomie in Deutschland. IRS Working Paper, Nr. 40
http://www.irs-net.de/download/wp_operationalisierung.pdf
2008
Schmidt, S.; Wolke, M.: Knowledge Economic Specialisation of Regions as development Potentials. Regional Studies Association International Conference – Regions: The Dilemmas of Integration and Competition. RSA, Prag,
http://www.regional-studies-assoc.ac.uk/events/2008/may-prague/
papers/Schmidt.pdf
2007
Kujath, H. J.; Schmidt, S.: Wissensökonomie und die Entwicklung von Städtesystemen. soFID Stadt- und Regionalforschung, 2/2007, S. 9-29
Kujath, H. J.; Zillmer, S.: Knowledge economy and regional development. In: Jakubowska, P.; Kuklinski, A.; Zuber, P. (Hrsg.): The Future of European Regions: Regional Development Forum REDEFO. Vol. 1. Warschau, S. 316-325
Stein, A.; Zillmer, S.: Institutionenökonomische Erklärungen zur räumlichen Entwicklung der Wissensökonomie. IRS Working Paper, Nr. 38
http://www.irs-net.de/download/wp_institutionenoekonomie.pdf