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Forschungsabteilung 2

Institutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter

“If there is ever an example of the value of multidisciplinary research, it is at the intersection of technology and science studies, environmental history, geography, landscape studies, and the arts, as they combine to form a cable of inquiry into the origins and implications of the new human habitat.”
(Rosalind Williams, Notes on the Underground, Ausgabe 2008, S. 267)

Die Forschungsabteilung untersucht den institutionellen Wandel im Umgang mit raumgebundenen Gemeinschaftsgütern auf regionaler Ebene in Geschichte und Gegenwart. Die spezifischen Eigenschaften von Gemeinschaftsgütern wie Infrastruktursysteme, Landschaften und Umweltressourcen und die vielfältigen regionalpolitischen Zwecke, denen sie dienen, stellen besondere Anforderungen an deren institutionelle Regelung. Dies gilt umso mehr unter heutigen Bedingungen der Europäisierung des rechtlichen Rahmens, der Liberalisierung und Privatisierung von Dienstleistungen (z.B. der Ver- und Entsorgung), des demographischen und raumstrukturellen Wandels sowie des Klimawandels, die bisherige Formen der Bereitstellung grundlegend in Frage stellen. Infolge dieser Mega-Trends verändern sich aber auch die Versorgungs-, Nutzungs- und Steuerungsräume dieser Güter: Quer zu den politisch-administrativen Territorien von Gebietskörperschaften gewinnen vielfältige Funktionsräume – insbesondere auf regionaler Maßstabsebene – und deren soziale Konstruktion an Bedeutung.

Der institutionelle Umgang mit diesen räumlichen Herausforderungen von Gemeinschaftsgütern – ihre regionalpolitische Bedeutung, ihre Neuskalierung zwischen lokaler und globaler Ebene und die Überlappung ihrer unterschiedlichen Raumbezüge – steht im Mittelpunkt der Forschungen der Abteilung. Die Theoriearbeiten beziehen sich auf die Bedingungen institutioneller Arrangements zur Bereitstellung unterschiedlicher Güter, die Pfadabhängigkeit, Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit (Resilience) bestehender Institutionen, die regionale Steuerung (Regional Governance) von Gemeinschaftsgütern im Mehrebenensystem und die Reskalierung der Steuerung dieser Güter. Die empirischen Arbeiten fokussieren auf die Interessenlagen, Problemdefinitionen und Handlungsspielräume staatlicher und gesellschaftlicher Akteure im Umgang mit ausgewählten Gemeinschaftsgütern und die Entstehung, Eignung und Anpassung entsprechender institutioneller Arrangements in spezifischen raumzeitlichen Kontexten. Die geschichtswissenschaftlichen Forschungen der Abteilung ermöglichen dabei die Reflexion aktueller Debatten vor dem Hintergrund langfristiger Veränderungsprozesse und historischer Wendepunkte, pfadabhängiger Entwicklungen und verschütteter Alternativen.

Bei ihren Forschungsarbeiten setzt die Abteilung – wie im Eingangszitat angedeutet – auf themengerechte Kombinationen folgender Disziplinen bzw. Fachrichtungen: Stadt-, Regional- und Umweltgeschichte, politikwissenschaftliche Institutionen- und Governance-Forschung, sozialwissenschaftliche Technik- und Kulturlandschaftsforschung. In interdisziplinärer Zusammenarbeit verfolgt sie eine zweigleisige Forschungsstrategie: erstens die Sensibilisierung der raumwissenschaftlichen Forschung für die Bedeutung von Gemeinschaftsgütern und deren institutionellen Regelungen (institutional turn) und zweitens die Sensibilisierung der Institutionenforschung für die Bedeutung sozialräumlicher Phänomene (spatial turn).

Folgende Schwerpunkte bilden den aktuellen Fokus der gegenwartsbezogenen und historischen Forschungen:

    • Regionale Institutionen im Wechselspiel zwischen nationalen bzw. europäischen Reforminitiativen und lokalen bzw. regionalen Selbststeuerungsversuchen;
    • Kulturlandschaften als integrierende und gestalterische Handlungsräume der Regionalentwicklung;
    • Sozio-technische Systeme der Ver- und Entsorgung als Motor und Medium der Stadt- und Regionalentwicklung;
    • Neue Formen von Regional Governance im Umgang mit Infrastruktursystemen und Kulturlandschaften.
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