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Forschungsabteilung 3

Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum

Leitprojekt

Raumpioniere im Stadtquartier. Zur kommunikativen (Re-) Konstruktion von Räumen im Strukturwandel

Projektleiter:
PD Dr. Gabriela B. Christmann

Projektteam:
Kerstin Büttner, Dr. Petra Jähnke, Leander Küttner, Anika Neumann, Gerhard Mahnken, Tobias Schmidt

Bearbeitungszeitraum:
01/2009-12/2011

In der sozialwissenschaftlichen Raumforschung ist die Überlegung, dass Räume als soziale Konstruktionen zu verstehen sind und durch spezifische kulturelle Kodierungen und Wissensformen geprägt werden, zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Es ist auch Konsens, dass Wissen ein entscheidender Produktions- und Entwicklungsfaktor ist und wesentlich zur Raumentwicklung beiträgt. Einig ist man sich auch darin, dass Raumentwicklung nicht von oben herab geplant werden kann, sondern dass unterschiedliche gesellschaftliche Akteursgruppen mit ihrem spezifischen Wissen entscheidende Beiträge zur Raumentwicklung liefern können und dass sie deshalb in Planungsprozessen berücksichtigt bzw. beteiligt werden sollten. Konzepte wie z.B. Governance und Netzwerkbildung, aber auch Schlagworte wie Koordination, Kooperation und Kommunikation zeugen davon. Gleichwohl gibt es in der sozialwissenschaftlichen Raumforschung noch wenig Untersuchungen über die kommunikativen Mechanismen innerhalb von Raumentwicklungsprozessen.

 

Am Reiherstieg in Hamburg-Wilhelmsburg

Ziel des Leitprojekts ist es, diesem vernachlässigten Gegenstand am Beispiel von Raumpionieren nachzugehen, die in – im Strukturwandel befindlichen – Stadtquartieren wirken. Raumpioniere begreifen wir als Akteure, die in den Raum (wenn auch zunächst nur Freiräume nutzend) Neues einbringen, die also den Raum neu nutzen bzw. denken, gegebenenfalls Visionen entwickeln, darüber kommunizieren bzw. andere Bürgerinnen und Bürger zur Kommunikation darüber anregen und dabei die raumbezogenen Wirklichkeitsdeutungen anderer Menschen beeinflussen oder provozieren. Es soll gefragt werden, wie sich Raumpioniere konkret mit ihren Raumnutzungen und Ideen in das Stadtquartier einbringen, wie sie diese unter sich und gegenüber anderen kommunizieren, wie ihre Raumdeutungen in verschiedenen gesellschaftlichen Akteursgruppen / Netzwerken und in der Stadt(-quartiers-)Öffentlichkeit verhandelt, umkämpft, modifiziert, durchgesetzt oder erstickt werden. Dabei sollen nicht nur Mechanismen der Kommunikation und Inklusion, sondern auch der Nicht-Kommunikation und Exklusion in den Blick genommen werden. Vor diesem Hintergrund soll ein Beitrag zur anwendungsorientierten Grundlagenforschung geleistet und gleichzeitig Orientierungswissen für eine kommunikationsorientierte Raumentwicklung, Raumplanung und Governance bereitgestellt werden.

Theoretische Grundlagen des Projekts bilden Konzepte des relationalen Raumbegriffs und die neuere Entwicklung des Sozialkonstruktivismus, die miteinander verbunden werden. Leitend ist die Annahme von der kommunikativen Konstruktion von Raum. Raum wird dabei als verhandelbar angesehen. Um der Komplexität der Fragestellungen gerecht werden zu können, kommen verschiedene qualitative Methoden zum Einsatz, die miteinander trianguliert werden (Experteninterviews, problemzentrierte Interviews, fokussierte Ethnografie, Netzwerkanalyse, wissenssoziologische Diskursanalyse).

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